Immer wieder wird uns die Frage gestellt, was nun eigentlich TRIOPS bedeutet. Daher ein paar erläuternde Sätze: Der Name geht auf einen Krebs zurück. Diesen Krebs, Triops cancriformis, den die Biologen der Crustaceen-Gruppe der Notostraca - Rückenschaler zuordnen, findet sich auch im Logo der TRIOPSConsult wieder.

Im Gegensatz zu der wissenschaftlichen Bezeichnung hat der Volksmund für die bis 11 cm großen Tiere hingegen den schlichten und treffenden Namen "Kaulquappenkrebs" gefunden. Ihren Lebensraum finden die Tiere in periodisch auftretenden Gewässern wie Lachen, Pfützen, Flachgewässern und Tümpeln. Mit Regen oder Hochwasser, welche solche kurzlebigen Wasseransammlungen entstehen lassen, erscheinen sie “plötzlich” und verschwinden auch wieder mit diesen aus dem Landschaftsbild. Das trug ihnen auch die Bezeichnung der “Himmelskrebse” ein. Oder man sprach vom “Krebsregen”, denn sie konnten zudem durchaus in solch großen Mengen auftreten, daß sie zur Mast den Schweinen zum Fraß vorgeworfen wurden.

Diese Zeiten scheinen inzwischen vorbei. Unsere Umwelt wurde zwischenzeitlich durch Menschen so vielen grundlegenden Veränderungen unterzogen, die auch die Lebensbedingungen dieser “Urzeitkrebse” entscheidend verschlechterten. Die wenigen noch existierenden Vorkommen sind in Deutschland an nur zwei Händen aufzuzählen. 9 Arten sind weltweit bekannt, von denen 2 Spezies in Mitteleuropa auftreten. Sie ähneln sich in ihrem Körperbau so sehr, daß sie auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten sind.

Triops LebensraumDoch bevorzugen sie unterschiedliche Wassertemperaturen: Während Lepidurus apus vor allem in den ersten Wochen des erwachenden Frühjahrs auftritt, kann Triops cancriformis erst beobachtet werden, wenn die Temperaturen die 15°C-Marke überschritten hat. Hat man das Glück einen Kaulquappenkrebs (engl.: tadpole shrimps) zu Gesicht zu bekommen, wird man auch von der trefflichen Namensgebung durch den Volksmund beeindruckt sein. Denn ihr ausladend entwickelter Panzer und der schlanke, mit kräftigen Ringen bewehrte Schwanz verleiht dem Körper durchaus die plumpe Erscheinung einer dicken Froschlarve. Doch damit sind auch schon die Gemeinsamkeiten zwischen Kaulquappe und Krebs erschöpft.

Der Panzer verdient nur auf den ersten Blick diese Bezeichnung und gleicht eher einem etwas derben, leicht gefalteten Pergamentpapier. Unter diesem sitzen die bis zu 70 filigran ausgebildeten Extremitätenpaare: breite, flache und zum Teil fein verästelten Beine, mit deren Hilfe das Tier schwimmt, Sauerstoff aufnimmt, Nahrung und Beute aufspürt und zerkleinert.

Ansammlung mehrerer TiereWie ein schwebender Klopfsauger sucht und durchwühlt der Notostrace den Boden nach Nahrung. Dabei erweisen sich die Rückenschaler eher als Gourmands, denn sie scheinen verfressen und nicht sehr wählerisch zu sein. Verputzt wird alles, was organischen Ursprungs ist.

Im Experiment sollen sie sogar in kleineren Gruppen die bis zu 10 cm großen Kaulquappen des Messerfußes (Pelobates cultripes), einem Verwandten der Knoblauchkröte (Pelobates fuscipes), angegriffen und getötet haben. Ob solche Jagden unter natürlichen Umständen stattfinden, muß jedoch aufgrund der energischen Agilität der Amphibienlarven und des Unvermögens des Krebses, größere Beute zu fassen und festzuhalten, bezweifelt werden. Zumindest müssen solche Beutetiere bereits stark geschwächt sein, um angefallen und getötet werden zu können. So werden sich die Rückenschaler normalerweise eher über Insektenlarven, Würmer, Aas usw. hermachen.

Triops SeitenansichtZur Deckung des eigenen Energiebedarfs nehmen die Krebse in 24 Stunden über 40 % ihres Körpergewichts an Nahrung zu sich. In bisweilen dichtem Gedränge von bis zu 300 Individuen pro Quadratmeter trübt sich das Wasser der Lachen zu einer braun-grauen Suppe, wenn hunderte von Tieren den Bodenschlamm auf der Suche nach Freßbaren durchwühlen und aufwirbeln. In solchen Situationen können bei der Suche nach Beute und Nahrung auch die ihrem Panzer aufsitzenden, prächtig entwickelten Augen nicht mehr helfen. Schlammblind tasten und schmecken sie statt dessen mit Hilfe der langen Anhänge ihrer ersten Extremitäten den trüben Untergrund nach Verwertbarem ab.

Wie eine Mischung von geharnischtem Ritter und lebendem Ufo mag er wirken - als wolle er seine lange und erfolgreiche Wanderung durch die Evolution, aber auch den Wunsch und Anspruch auf eine Zukunft demonstrieren. Über 200 Millionen Jahre besiedelt dieser Marathonwanderer durch die Evolution und die Erdperioden bereits die Landschaften unseres blauen Planeten. Ohne merkliche Veränderungen seiner Körperorganisation sind seine Vorfahren in den Schichten des Trias nachgewiesen - in einem Zeitalter, in dem die Kontinente noch nicht vollständig auseinander getriftet waren, als noch Mastodonsaurier Fischen nachjagten und die ersten Säugetiere ihre Loslösung vom reptilienähnlichen Ursprung probten.

Unter dem Eindruck einer solch erfolgreichen Existenz mag man sich vielleicht fragen, wie oder wodurch diese Krebsgruppe angesichts der riesigen Zeitspanne und vielen prägenden Umweltveränderungen so erfolgreich sein konnte?

Wie so viele "Lebende Fossilien" haben sich die Rückenschaler als Aussteiger versucht, indem sie die Szene der zwischenartlichen Konkurrenzen um Nahrungsressourcen und Nischen verließen. Sie spezialisierten sich auf die Besiedlung fast unwirtlicher Mulden, in denen nur wenige Gegenspieler zu existieren vermögen und sicherten so ihren dauerhaften Fortbestand. Doch bedurfte dieser Erfolg auch einer Reihe ganz besonderer Anpassungen.

Die bevorzugten Wasserlachen liegen häufig im Einzugsbereich der großen Ströme, in deren Auen sie sich mit dem Frühjahrshochwasser bilden und im Verlauf weniger Wochen wieder austrocknen können - eine nur kurze Zeitspanne, die von den Krebsen genutzt werden muß.

Triops NahrungsaufnahmeDie Eier liegen im Schlamm, wenn die Schneeschmelze den Wasserspiegel ansteigen läßt und umliegende Wiesen und Wälder überspült. Schon nach 2 Tagen schwimmen die unter 1 mm messenden Larven, Nauplien genannt, in dem neuen Lebensraum, um das Wettrennen gegen die Austrocknung aufzunehmen. Diese kleinen lebenden Hautsäcke verfügen über nur 3 Gliedmaßenpaare, durch deren Ruderbewegung das Blut zur Zirkulation angetrieben wird. Herz, Darm und Nervensystem sind in diesem Stadium erst als Anlage ausgebildet. Bereits am ersten Tag beginnt die Larve sich in einer nur wenige Minuten dauernden Prozedur zu häuten, da die starre Körperhülle zu eng wird. Erst nach der dritten Häutung ist die Herztätigkeit nachweisbar. Die Hast zum geschlechtsreifen Krebs führt in 3 bis 4 Wochen über 21 Stadien, in deren Verlauf die riesige Zahl an Extremitäten, der Panzer, Augen und die inneren Organe vollständig ausdifferenziert werden. Doch das Wachstum stellt er, mit maximal 12 cm, erst nach der 40. Häutung endgültig ein.

Die Weibchen beginnen mit der Ablage der Eier, von denen sie bis zu 500 Stück im Gewässerschlamm vergraben.

Mit dem Rückgang des Wassers beginnt das große Sterben. Und bis der Wind den staubigen Schlamm verteilt, konzentrieren sich nur ihre eingetrockneten Rückenpanzer und stachelbewehrten Schwanzringe an den tiefsten Stellen des Bodens, den ehemals letzten Rückzugsflächen in der schrumpfenden Wasserlache.

Triops HäutungDa sie mit einer erstaunlichen Resistenz gegenüber Frost, Hitze und Trockenheit ausgestattet sind, sind sie hervorragend auf die Überdauerung dieser lebensfeindlichen Zeiten vorbereitet. Nach jahrzehntelangen Trockenphasen (27 Jahre sind nachgewiesen) stehen sie immer noch in den Startlöchern um nach einem massiven Regenschauer oder Hochwasser lebensfähige Larven schlüpfen zu lassen, die sich dann wieder "vom Start weg" in ihren Spurt werfen, um zu wachsen und sich fortzupflanzen.

Die hartschaligen Eier sind auch relativ unempfindlich gegenüber mechanischen Einwirkungen, so daß sie sich auch hervorragend als Transportcontainer zur Verbreitung und Besiedlung neuer Kleingewässer eignen. So befördert sie der Wind im trockenen Staub über's Land oder Vögel tragen sie mit dem Schlamm an ihren Füßen in andere Regionen. Selbst wenn sie mit der Beute von Fröschen und Vögeln verschlungen werden, passieren sie unbeschadet Magen und Darm der Räuber und erblicken mit deren Kot wieder das Licht der Welt.

Sollten die Eier nach vielleicht jahrelanger Odysee auf eine Wasseransammlung treffen, reagieren sie sehr “vorsichtig” auf die neuen Situation. Nur ein Teil setzt sofort mit der Entwicklung der Larve ein, andere verzögern diese um mehrere Tage. Wodurch diese Verzögerungen ausgelöst werden, ist zwar unklar, erscheint biologisch jedoch recht sinnvoll. Denn sollte sich der neubesiedelte Lebensraum als nur eine kleine Wasserpfütze erweisen, die wenige Tage nach "Ankunft" der Eier bereits austrocknet, wird so nicht der gesamte Bestand der Eier vernichtet.

Rückenschale in trockenem GewässerAuch wenn nur ein einziges Ei seinen Weg in ein Gewässer findet, muß der Besiedlungsversuch nicht vergeblich sein. Im Geschlechterverhältnis kommt auf über 100 Weibchen nur 1 Männchen. Paarungen zwischen den Geschlechtern können zwar beobachtet werden, doch sie sind zur Eientwicklung überflüssig. Durch diese "Jungfernzeugung" (Parthenogenese) wird die Besiedlung neuer Gewässer erheblich vereinfacht, denn sie kann durch nur ein Ei gelingen.

Führt man sich die Vielzahl von Anpassungen vor Augen, dann müssen die düsteren Zukunftsaussichten dieses "lebenden Ufos" erschrecken oder doch zumindest verwundern.

Sind ihre Lebensansprüche für ein paar Wochen in einer Schmelz- oder Hochwasserlache oder einer Wiesenvertiefung in der Flußaue existieren zu dürfen zu anspruchsvoll?

Leider ist diese Frage zu bejahen. Längst sind den meisten Bächen, Flüssen und Strömen ihre Auen amputiert, sind die umliegenden Flächen und Strukturen vom Wassereinfluß gekappt und unter dem Pflug. Rohre und Drainagen sorgen für einen schnellen Abfluß, um die intensivere Bewirtschaftung zu ermöglichen. Die engen Land-Wasser-Beziehungen, wie sie einst typisch für diese Räume waren, wurden weitgehend zerstört, womit natürlich auch die kurzweiligen Lebensräume der Notostracen verschwanden. Da nutzt auch ein 200 Millionen Jahre währendes Überlebenstraining nichts.

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